Roland TD-50KV2 – Schillernder Star unter den E-Drums

Wenn man sich mit E-Drums beschäftigt kommt man um das Roland TD-50KV2 nicht herum. Man beginnt vielleicht bei der Suche erstmal ganz unten bei dem MPS-850 oder dem DD-One, dann denkt man sich, hmm Alesis soll doch auch gut sein. Schwups sind wir in der Preisklasse von über 1000 Euro. Naja, wenn ich jetzt noch etwas drauf lege dann krieg ich ja auch schon was von Roland. Das schaukelt sich dann ein bisschen auf und am Ende steht man mit glänzenden Augen vor dem TD-50KV2 und schaut in sein Portemonnaie und denkt sich, warum habe ich nix vernünftiges gelernt dann hätte ich mir das jetzt vielleicht leisten können.

Tja, das TD-50 kostet nun mal mindestens 5000 Euro und dann ist kein Hi-Hat Ständer, Fußmaschine und auch kein Hocker dabei, achja und der Snareständer ist auch nicht dabei, und außerdem sieht das TD-50KV2 ja viel cooler aus und das Rack ist auch viel besser und …, oje 7500 Euro?

Ein Roland Schlagzeug kostet viel Geld und bietet dafür das beste was man am E-Drum Markt zur Zeit erwarten kann. Ob das genug ist? Darum geht es hier nicht. Was kann das Roland was die anderen nicht können. Was rechtfertigt den hohen Preis, und braucht man das denn alles überhaupt, bzw. für wen lohnt sich das?

Die Zielgruppe würde ich mal so bezeichnen. Gut betuchte Schlagzeuger die auch ein E-Drum Set haben möchten. Davon gibt es aber sicher nicht allzu viele, und einige davon werden sich auch lieber Ihre Becken und Tom Sammlung vergrößern als ein E-Drum zu kaufen. Es gibt aber auch jene Schlagzeuger die ernsthaft mit E-Drums arbeiten müssen. Tanzmusiker die ein flexibles Setup brauchen und mal in kleinen Räumen mit Kontrabaß und Akustikgitarre für den Cocktailempfang spielen und zwei Stunden später vor 1000 Leuten ein Festzelt rocken. Es gibt noch weitere Szenarien wo ein Roland TD-50KV2 mehr als Sinn macht. Projektstudios, Soundtüftler, Solo Künstler mit dem Drang alle Instrumente selber zu spielen. Ich würde es mir auch in die Wohnung stellen wenn ich das nötige Kleingeld hätte. (Wollt ihr mir helfen? Dann kauft einfach was bei Amazon. Möglichst was teueres. Noch besser kauft ein TD-50KV2 bei Thomann).

Nein im Ernst, das TD-50KV2 ist für ein E-Drum schon echt gut, also so richtig gut. Ich weiß das überall behauptet wird die Sounds wären nicht das Non Plus Ultra, ich persönlich mag das Pearl Mimic auch lieber, das ist aber im großen und ganzen reine Geschmackssache und wie uns die Geschichte mit dem lieben Herrn “J.R. Olney” gelehrt hat, so gibt es im Netz eine Menge Leute die einfach nur das nachplappern was andere schon mal irgendwo behauptet haben. Ich persönlich verlasse mich auch nicht mehr auf sogenannte Testblogs oder Rezensionen in irgendwelchen Online Shops. Wichtig ist was mir gefällt. Und mir gefällt die Prismatic Sound Modelling-Technologie, mir gefällt die PD-140DS das Roland Digital Ride Becken und die Hi-Hat ist eh das einzige E-Modell was den Namen Hi-Hat annähernd verdient. Das alles ist aber auch nur mit dem Soundmodul TD-50 voll kompatibel, gut das TD-27 geht auch aber beim TD-50 bzw. dem aktuellen TD-50X kann man alle Feinheiten die diese Instrumente bieten voll ausnutzen.

Nur Roland bietet diese Technologie, sie haben ein Patent drauf und sie werden einen Teufel tun und das irgendjemanden anderem zur Verfügung zu stellen. Das ist ihr gutes Recht, viel Entwicklungszeit ist da im Spiel. Tausende Stunden Test und von vorne und nochmal anders und nochmal testen, und keiner wird ernsthaft glauben das andere Hersteller uneigennützig Ihre Technologie der Allgemeinheit zur Verfügung stellen würden. Sie kriegen es halt einfach nicht besser hin. Zugegeben ein Pearl Mimic mit Prismatic Sound Modelling hätte echt seinen Reiz, aber auch das TD-50X muss sich in keinster Weise irgendwie verstecken. Es klingt verdammt nochmal richtig gut und persönliche Vorlieben sind nun mal vor allem eines, persönlich.

Das Roland TD-50KV2 ist bei Thomann in zwei Varianten erhältlich, einmal so wie das Set von Roland kommt, ohne Hi-Hat- und Snare Ständer. (Auch ein Sitz ist nicht enthalten.) Der Spaß kostet zur Zeit knapp 7500 Euro. und dann noch mal als Roland TD-50KV2 V-Drums Bundle Kit mit wirklich hochwertiger Hardware. DW 5100 Drummer Throne, Pearl H-930 Hi-Hat Ständer, Pearl S-930 Snare Ständer und dem Beyerdynamic DT-770 M Kopfhörer. Zusätzlich legt Thomann noch ein paar Vic Firth 5A American Classic Drumsticks drauf. Das Bundle ist wirklich sehr attraktiv für den Preis von 7890 Euro. Wenn man bedenkt das Sitz und Hi-Hat den Mehrpreis von 390 Euro schon fast alleine wert sind.

TD-50X Soundmodul

Das TD-50X ist ein Softwareupdate für das bereits bekannte und sehr gute TD-50. Mit entsprechendem Kaufnachweis der nicht allzu lange zurückliegt bekommt man das Upgrade sogar kostenlos. Der Hauptkritikpunkt am alten Modell war die recht überschaubare Anzahl an Sounds. Etwas mehr als 400 Sounds waren es “nur”. Nur in Anführungsstrichen, denn die Bearbeitungsmöglichkeiten waren schon extrem vielfältig. Hier hat Roland jetzt nachgebessert und spendiert dem Nachfolger gleich mehr als das doppelte an Sounds. Über 900 neue Sounds in 70 Preset-Kits stehen nun zur Verfügung. Damit sollten dann auch die Kritiker verstummen die mehr auf die Presets setzen anstatt sich mit den einmaligen Möglichkeiten des TD-50 zu beschäftigen.

Wer bereits viel Arbeit in seine Sounds gesteckt hat und eventuell sogar andere Sounds dazu gekauft hat und damit zufrieden ist, der sollte von einem Update lieber absehen, die neuen PureAcoustic Ambience Effekte sind nicht mit den alten Samples kompatibel.

Alle anderen sollten das Update definitv durchführen, das TD-50X bietet die volle Unterstützung für die Digital Hi-Hat VH-14D, diese ist zwar noch nicht lieferbar aber wer die Digital Snare und das Digital Ride zu schätzen weiß der wird auch bei der Hi-Hat die verschiedenen Sensoren und Abstopp-Erkennung sowie das Prismatic Sound Modelling lieben.

Das TD-50 und auch die neue X Variante bieten aber wesentlich mehr als nur irgendwelche Presets. Jeder Sound kann auf die eigenen Wünsche zusammengestellt werden. Beispiel? Gut also nehmen wir mal die Snare. Eine akustische Snare klingt mit anderen Fellen ganz anders, auch mit einem Teppich und den Stimmschrauben kann man den Sound maßgeblich beeinflussen, auch die Ansprache des Teppichs lässt sich bei guten Abhebungen sehr fein justieren. Ein echtes Sound Eldorado. Das könnt Ihr mit dem TD-50 auch machen, aber zusätzlich könnt ihr den Durchmesser verändern, die Tiefe der Snare auch, oder das Mitschwingverhalten des restlichen Sets. Eine PD-140DS ist dafür allerdings schon notwendig. Sie bietet den notwendigen digitalen Ausgang für das Prismatic Sound Modelling und schon steht Euch ein Arsenal an Snares zur Verfügung für die Ihr sonst weit mehr ausgeben müsstet, zuzüglich der Möglichkeit weitere Sounds für 50 – 100 Euro dazu zu kaufen. Diese werden z.B. von Drum-Tec oder Sonic State angeboten.

Die propietäre Lösung ist allerdings ein Problem. Ähnlich wie bei Apple Produkten ist man den Launen und Wohlwollen einer Firma unterlegen und bei erneuten Änderungen kann man sein Set vielleicht nicht mehr so leicht updaten. Diese Erfahrung zeigt ja schon das Update vom TD-50 auf das TD-50X. Andererseits ist eine zwanghafte Abseitskompatibilität aber ein Fortschrittshemmer mit dem auch Firmen wie Microsoft zu kämpfen haben. Wie auch immer, das Soundmodul ist eines der besten am Markt erhältlichen Module und erfährt mit dem X nochmal eine deutliche Aufwertung. Die Sounds lassen keine Wünsche mehr offen und die vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten lassen Soundtüftlern viel Spielraum ihre Individualität zum Ausdruck zu bringen. Dennoch würde ich mit eine offene digitale Triggerschnittstelle wünschen, die Bedienbarkeit eines Pearl Mimic gepaart mit den Möglichkeiten der Digital Snare / Ride / Hi-Hat treibt mir dann doch schon die Freudentränen in die Augen. Aber darauf kann man wohl lange warten. Oben links finden wir zwei Drehregler für die Gesamtlautstärke und die Kopfhörer Lautstärke.

Bedienung

Erstmal das wichtigste vorweg. Jaaaa es sind Fader dabei. Ich mag es nicht so gerne wenn ein Knopf für alles zuständig ist, ich möchte in Echtzeit die Lautstärken der einzelnen Instrumente anpassen können und dann führt kein Weg an Fadern vorbei. Insgesamt 6 Fader für die einzelnen Instrumente Kick, Snare, Toms, Hi-Hat, Crash und Ride sowie ein Fader für das Aux Signal, und ein Fader für Ambience. Das ist soweit selbsterklärend. Mit dem Links unten angebrachten Regler Mix-In lassen sich die externen Audiosignale wie Play Alongs hinzumischen. Mit dem Song Regler lassen sich die gespeicherten Songs in der Lautstärke regeln und der Click Regler ist nur für den Click des Metronoms zuständig. Dieser ist bei mir auch der wichtigste und ein Killerkriterium für jedes Soundmodul. In der Mitte finden sich noch drei weitere Regler die je nach ausgewähltem Menü eine andere Funktion haben.

Sehr schön ist die Tatsache das die wichtigsten Funktionen eigene Regler haben und direkt angewählt werden können und vor allem prominent platziert und ausreichend groß dimensioniert sind. Die Kit Taste, welche das Drum Kit Display aufruft ist z.B. direkt neben den Fadern angebracht. Einmal draufgetippt und schon kann man über den großen Drehregler oder die +- Taste seine Set aufrufen.

Der Aux Fader ist im übrigen nicht für Externe Musik gedacht wie man vermuten könnte, sondern regelt die Lautstärke der 4 Aux Trigger Eingänge für zusätzliche Pads und Percussion Trigger.

Wer sich nicht großartig mit den vielfältigen Editierungsmöglichkeiten beschäftigen möchte kommt mit der Bedienung recht schnell zurecht kommen, die rudimentären Funktionen sind selbst erklärend und auch das editieren von Sounds bekommt man schnell auf die Reihe. Die Bedienungsanleitung sollte man dennoch nicht allzu weit weglegen denn das Modul bietet unglaublich viele Möglichkeiten die sich im Verlauf des praktischen Betriebs als sehr nützlich erweisen. Man kennt es ja, im verlauf einer Übe Session denkt man sich, cooles Teil wenn man jetzt noch das und das machen könnte wäre es richtig geil, und dann sollte man mal in der Anleitung nachschauen, in der Regel kann das TD-50X dann auch.

Anschlüsse

Die Parade Disziplin des TD-50. Anschlüsse soweit das Auge reicht. 14 Trigger Eingänge, zusätzlich 3 Trigger Eingänge für die digitalen Instrumente von Roland. 8 Direct Outs, Master Out in Klinke und XLR, ein Anschluss für einen Fußschalter und ein Stereo Klinken Eingang für Externe Audioquellen. Sehr erfreulich das auch an der Vorderseite ein Mix In Anschluss vorhanden ist, hier sind auch 2 Kopfhörer Buchsen zu finden. An der linken Seite des Moduls befinden sich dann noch eine USB Schnittstelle und ein SD Card Slot. Der USB Anschluss an der Seite verbindet das TD-50 zum Beispiel mit einer DAW wie Cubase, kann aber auch für Play Along Songs verwendet werden.

TD-50X im Überblick

  • 100 Drum Kits
  • Prismatic Sound Modelling-Technologie
  • Wiedergabe von WAV-Samples von einer SD-Karte
  • USB 10-Kanal-Audioausgang für komfortable Mehrspuraufnahmen mit nur einem USB-Kabel
  • 14x Trigger Eingänge 6,3mm Stereo-Klinken Eingänge
  • 3x Digital Trigger Inputs für Roland Digital Drum Pads mit Multi Sensor Technologie
  • 2x XLR (symmetrisch) Main Outputs
  • 8x 6,3 mm Klinken (TRS) Direct Outs
  • 3,5 mm Stereo-Klinke Kopfhörerausgang
  • 3,5 mm Stereo-Klinke Eingang zum Anschluss eines MP3- oder CD Players
  • MIDI In & Out
  • USB-MIDI Interface für direkte Verbindung von Mac oder PC
  • 6,3 mm Stereo-Klinken Eingang für Fußschalter
  • Metronom mit “Quiet Count”-Funktion
  • 3-Band EQ und Kompressor für jedes einzelne Pad
  • 3 Multi-Effekt-Prozessoren mit 30 Algorithmen
  • 2-Band Multikompressor und 4-Band EQ für Ausgänge
  • Abmessungen (B x T x H): 33,0 x 25,5 x 11,8 cm
  • Gewicht: 3,3 kg

Der Sound des TD-50X

Haha, was soll ich sagen? Klingt geil! Ja ehrlich das Drum Modul lässt in punkto Klang, gerade durch das X-Update, kaum noch Wünsche offen. Aber was nutzt es Euch wenn ich es gut finde. Daher schaut Euch einfach mal folgende Videos an. Das dritte Video ist zwar auf den VAD Drums gespielt, das spielt aber für den Sound keine Rolle der kommt ja aus dem Modul, und das ist das gleiche.

Wie man hören kann sind die Sounds wirklich klasse, es klingt wirklich alles hervorragend und auch nicht schlechter als ein Pearl Mimic, welches viele als Referenz ansehen. Zudem sind die Editiermöglichkeiten so vielfältig das man sehr individuelle Klänge gestalten kann und sein Drumset so konfigurieren kann wie man es haben möchte.

Die Pads des Roland TD-50KV2

Das Set besteht aus verschieden großen Pads sowie den digitalen Instrumenten PD-140DS 14″ Digital Mesh Head Snare Drum Pad, dem 18″ Digital Ride Cymbal, und der 14″ Digital Hihat. Die Toms sind je zweimal in 10″ und 12″ dabei und die Bass Drum misst sagenhafte 18″.

Aufgebaut sieht es aus wie ein ganz normales Drumset mit flachen Kesseln. Die Optik ist für meinen Geschmack nicht wirklich passend. Hier wäre eine etwas edlere Oberfläche bei dem Preis durchaus angebracht gewesen, so sieht es ein wenig zusammen gewürfelt aus, da die Bass Drum in glänzend schwarz daher kommt, während die Toms dann eher glänzend anthrazit schimmern. Gut das ist Geschmackssache aber das Auge spielt ja bekanntlich mit, aber es gibt ja noch die Option auf ein VAD Set auszuweichen.

Lieferumfang Pads

  • 1x PD-140DS 14″ Digital Mesh Head Snare Drum Pad
  • 2x PD-108-BC 10″ Mesh Head Tom Pad
  • 2x PD-128-BC 12″ Mesh Head Tom Pad
  • 1x KD-180-BC 18″ Mesh Head Kick Pad
  • 1x VH-14D Digital Hi-Hat
  • 1x CY-14C-T 14″ Zwei-Zonen Crash Becken Pad
  • 1x CY-16R-T Zwei-Zonen Crash Becken Pad
  • 1x CY-18DR 18″ Digital Ride Cymbal Pad

Kernstück sind natürlich die Digital Pads die wir aber schon anderweitig besprochen haben. Daher hier nur die wichtigsten Infos in Kürze.

Snare Pad – PD-140DS

Das Prunkstück der Roland V-Drum Serie und das absolute Highlight am Roland TD-50KV2. Die beste derzeit am Markt erhältliche digitale Snare. Mit dem 3 lagigen Meshhead,3 Positions Sensoren, 3 Sensoren für den Cross-Stick und dem Sensor im Rand, sucht diese Snare einen Konkurrenten, es gibt aber keinen. Diese Snare spielt sich so real wie eine richtige Snare wie es eine E-Drum Snare überhaupt nur machen kann. Mehr geht derzeit nicht. Anfangs ist man hellauf begeistert und der Meinung nie wieder eine normale Snare spielen zu müssen, aber nach einer gewissen Zeit fehlen einem bestimmte Punkt. Sei es das Geräusch beim einschalten des Teppichs, die Nebengeräusche wenn man mal mit dem Bein gegen die Snare kommt oder einfach nur die ganz kleinen feinfühligen Nuancen die eben nur eine “richtige” analoge Snare zu Stande bringt. Mal eben für eine andere Stilrichtung den Snare Teppich etwas lösen oder fester anziehen. Das Snare Weight für eine kurze Stelle im Song nach oben klappen. Ach es kommt halt doch nichts an eine echte Snare heran, dennoch ist es die realistischste Möglichkeit eine Snare elektronisch nachzuahmen. Die Frage die sich stellt ist halt was man genau benötigt. Wer sowieso schon ein TD-50 Drum Modul hat der sollte die Snare in jedem Fall kaufen.

Hi-Hat Pad – VH-14D

Der nächste Geniestreich von Roland. Die VH-14D. Auch hier verhält es sich ähnlich wie mit der Snare. Zuerst ist man absolut begeistert aber irgendwann beschleicht einem ein Gefühl der Sterilität. Das ist jammern auf hohem Niveau, ich weiß. Alle loben die Hi-Hat über den grünen Klee, aber wenn man ehrlich ist dann hat zum Beispiel der Stick keinerlei Bedeutung mehr für den Klang. Ob ich nun einen Stick mit ovalem oder rundem Kopf spiele macht keinen Unterschied. Die Hi-Hat reagiert durchaus sensibel auf die Anschlagstärke, und im Kontext mit einer Band fällt es nicht sonderlich stark auf das man eine elektronische Hi-Hat spielt. Alleine für sich im Probenkämmerchen ist aber nach der anfänglichen Euphorie die Ernüchterung zu spüren das es eben doch nur ein Versuch ist das original zu kopieren. Genau da liegt dann auch schon das Problem bei vielen E-Drum Kunden. Man kauf so etwas in der Hoffnung ein Set zu bekommen das sich wie ein richtiges Drum Set spielt. Richtiger wäre es das E-Drum als eigenes Instrument zu sehen. Es hat viele Vorteile gegenüber einem regulärem Set aber eben nicht die vielen feinen Möglichkeiten, bzw. manchmal sogar mehr.

Ride Pad – CY-18DR

Kommen wir nur zu einem Instrument für das ich bereit wäre die nötigen Mäuse für das TD-50X und das CY-18DR auszugeben. Das Ride Becken. Warum ist mir das so wichtig? Ich liebe Ride Becken, ich habe mittlerweile insgesamt 14 Ridebecken von 24″ bis 19″ rumliegen. Insgesamt ein Wert von weit über 5000 Euro. Sicher ich spiele meist nur eins, aktuell das Chris Coleman Signature Ride. In manchen Set Ups habe ich auch zwei Ride Becken. Diese Limitation habe ich aber nur weil ich aus Platzgründen nicht alle 14 Ride Becken aufhängen kann. Das würde sich mit dem CY-18DR ändern. Die Ride-Becken Pads sind die einzigen die mich wirklich fast komplett zufrieden Stellen, einfach aus dem Grund das ein Ride Becken im Band Kontext gar nicht so viele feine Nuancen zulässt und es mich manchmal sogar stört das ich nicht immer den gleichen Sound aus meinem Ride Becken herausbekomme. Mit dem Ride Pad von Roland ergeben sich hier wirklich sehr viele Möglichkeiten andere Ridebecken schnell auf Knopfdruck zur Verfügung zu haben. Meist hängen meine Ride Becken ohne Schraube an meinem Beckenständer um sie schnell zwischen den Songs wechseln zu können. Ich kann aber auch recht schnell in den Songpausen das Ride Becken auf dem TD-50X wechseln und hab eine schier grenzenlose Auswahl an Ride Becken parat. Für mich das Paradies auf Erden, für andere total überflüssig. Gleiches lässt sich natürlich auch auf die bereits erwähnte Hi-Hat und Snare übertragen. Nur da ist mir die Flexibilität innerhalb eines Songs nicht ganz so gegeben wie beim Ride Becken, da ich Snare und Hi-Hat ganz anders nutze als das Ride Becken.

Die Tom Pads

Das Set hat jeweils zwei 10″ und 12″ Tom Pads die mit einem Stereo Mesh Head und einem Rim Trigger ausgestattet sind. Die Anschlagsdynamik ist toll und generell sind Toms eh das kleinste Problem bei E-Drums. Die Pads lassen sich wie der Snare auch mit dem Besen spielen. Das ist aber meines Erachtens nur ein zusätzliches Gimmick. Für das Spiel mit dem Besen würde ich ein normales Set immer vorziehen und den Kompromiss in punkto Soundvielfalt eingehen. Das Anspielen der Tom Pads ist absolut realistisch und die Pads lassen sich auch ohne weiteres an anderen Sound Modulen wie dem Pearl Mimic Pro betreiben. Wer also schon ein Soundmodul hat und wirklich gute Pads zur Ergänzung seines akustischen Sets sucht sollte die Roland Pads trotz des hohen Preises ruhig in Betracht ziehen. Das Spielgefühl ist wirklich sehr nahe am original.

Die Becken Pads

Neben der Hi Hat und dem Ride Becken verfügt das Roland TD-50KV2 auch noch über ein 14″ und ein 16″ Crashbecken. Auch wenn die Becken Pads sich von denen anderer Hersteller nur wenig unterscheiden, so sind es doch kleine Feinheiten die bei Roland halt ein wenig besser sind. Die Pads reagieren irgendwie schneller und realistischer auf das abdämpfen und abstoppen mit der Hand, alles ist ein kleines bisschen direkter und das Schwingverhalten beim Anschlag ist auch etwas näher am Original. Das sind aber alles Empfindungen, man sieht schon das es wirklich eine sehr individuelle Sache ist mit den E-Drums. Es kommt ja auch darauf an welches Verhalten man von seinen bisherigen Drums gewohnt ist und auch darauf wieviel man täglich spielt. Menschen die 8 Stunden täglich am Drum Set sitzen haben ein ganz anderes Verständnis davon wie sich etwas anfühlt als Schlagzeuger die nur zweimal in der Woche spielen. Letztere wären vielleicht auch schon mit einem MPS-850 von Millenium restlos zufrieden gestellt.

Zu guter Letzt – Das Rack

Das Rack ist nicht nur ein Rack an dem die Pads befestigt werden, es ist ein Stück Hardware das Roland auch extra anbieten sollte. Generell mag ich das Vierkant System von Pearl am liebsten aber das Rack von Roland ist an Wertigkeit und Massivität kaum zu überbieten. Beide Racks im direkten Vergleich lassen mich persönlich eher zum Roland tendieren, hier habe ich das Gefühl meine Instrumente hängen an einem Panzer. Es ist unglaublich stabil und Verwindungssteif. Die Schrauben gehen butterweich und müssen nicht wie bei günstigeren Varianten, übermäßig fest angezogen werden um nicht abzukippen. Selbst wenn ich meine 16″ Standtom über ein Optimount an das Rack hänge so sitzt es am Ende des Gigs immer noch in der gleichen Position wie am Anfang, so etwas hatte ich bei meinem alten Gibraltar Rack nur wenn ich die Schrauben massiv angezogen habe, weswegen ich auch zum Pearl Vierkant System gewechselt bin. Also das Rack an sich ist schon eine Hausnummer für sich. Sehr wertig, stabil und wirklich leicht einzustellen.

Schlussbetrachtung

Die Hi-Hat und das Ride Becken vom Roland TD-50KV2 sind schon klasse, aber auch andere Hersteller können ähnliches, vielleicht nicht ganz so nuanciert aber so weit weg sind die nicht. Das Sound Modul ist gut, ohne Frage, das ist das Pearl Mimic aber auch und auch das Gewa G9 bietet tolle Möglichkeiten. Das Rack ist ebenfalls sehr gut, vor allem von der Stabilität und Optik her. Aber auch hier gibt es Alternativen die das gleiche können. Die Tom Pads sind auch gut, aber auch hier sind die anderen Hersteller nicht abgeschlagen sondern bieten gleichwertige Qualität. Bleibt nur noch die Snare, und die ist im E-Drum Bereich eine Klasse für sich, es gibt derzeit nichts was vergleichbar ist. Keine E-Snare bildet Cross Sticks, Anschlagsdynamik und Positionsspiel so ab wie das Top Modell von Roland. Aber wenn ich mal ganz ehrlich bin dann hab ich für eine gewisse Zeit auch viel Spaß an einem Alesis Strike, setze mich dann aber doch lieber wieder an mein akustisches Set. Genauso verhält es sich mit dem Roland TD-50KV2, wenn erstmal die Begeisterung an den vielfältigen Möglichkeiten verflogen ist, setzt man sich doch lieber wieder an sein Pearl MMX oder was auch immer und lässt da ordentlich die Sau raus. Zum üben wäre mir das Geld zu schade und es wäre auch mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Das Roland TD-50KV2 ist ein eigenständiges Instrument für Menschen die so etwas auch benötigen. Drummer die in unterschiedlichsten Stilrichtungen unterwegs sind und nicht ständig ein ganzes Arsenal an Drums und Becken mit sich rumschleppen wollen. Soundtüftler und Elektro-Hiphopper die auf neue kreative Möglichkeiten, das Drumset zu nutzen, aus sind. Der reinrassige Akustikfreak wird sich nur schwer mit den E-Drums anfreunden können daran ändert auch Roland derzeit noch nichts, aber mit dem Roland TD-50KV2 ist der Branchenprimus auf dem Weg in die richtige Richtung. Sofern dies überhaupt notwendig ist. Keine Frage das Roland TD-50KV2 ist das beste was man derzeit bekommen kann für sein Geld, aber ein ATV aDrum Artist ist auch spitze und kostet einiges weniger. Man sollte sich wirklich überlegen was man braucht und viel probieren. Wenn Geld keine Rolle spielt dann gibts keine Alternative.

Im Endeffekt ist es halt ein eigenes Instrument, es gibt kein Ersetzen des einen oder anderen, ein E-Drum hat seine Einsatzgebiete und ein akustisches Set hat dies auch. Die Frage ist also nicht entweder oder, denn jeder Schlagzeuger kann beide Welten gut gebrauchen. Ein Trompeter kann auch Flügelhorn spielen, und ein Schlagzeuger eben auch ein E-Drum. Punkt fertig aus.

Roland bei Amazon

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