Schlagzeug Geschichte und Wissenswertes

Dieser Artikel ist derzeit in ständiger Veränderung. Auslöser des Artikels ist eine Fehlinformation auf Wikipedia in Bezug auf den Erfinder der Bass Drum Fußmaschine. Fälschlicherweise wurde dort ein Herr Namens „J.R. Olney“ genannt. Draus geworden ist eine Recherche über die Schlagzeug Geschichte und Wissenswertes zum Schlagzeug.

Aber zurück zu Herrn Olney! Eine Kopie eines US Patents bezeichnet nämlich George R. Olney als Erfinder, also G. R. Olney. Leider haben nun sehr viele Webseiten hier voneinander abgeschrieben so dass bei einer Google Suche nach „Erfinder des Schlagzeugs“ sehr oft der falsche Name erscheint.

Mittlerweile hat die Seite DW Akademie ihren Beitrag geändert und dementsprechend korrigiert (Gern geschehen). Aber es gibt ja noch mehr, so hat z.B. auch diese Seite einen generell recht seriös wirkenden Artikel über die Erfindung des Schlagzeugs erstellt. Aber auch hier wird Herr Olney falsch geschrieben. Jaja der gute Geist des J.R. Olney lebt weiter, bei Wikipedia stehts ja auch immer noch so drin.

Hier sehen wir dann auch die Grenzen des Internets, denn wenn es nur oft genug wiederholt wird, so wird es schnell als einzige Wahrheit hingestellt. Ich möchte nicht wissen in wie vielen Aufsätzen dies nun falsch drin steht. Der Artikel ist erstmal nur eine Sammlung von Recherchen und wird im Laufe der Zeit immer erweitert und auch neu gegliedert.

Die Erfindung der Fußmaschine gilt als Geburtsstunde des Schlagzeugs. Leider kann man nicht genau sagen, wer die erste Fußmaschine gebaut hat und somit der Erfinder oder der erste Schlagzeuger war. Man kann aber davon ausgehen das auch vor der Maschine von George R. Olney schon Fußpedale existiert, oder Maschinen eingesetzt wurden die ein Spiel der Bassdrum mit dem Fuß ermöglichen.

Drumtreff Redaktion

Das Schlagzeug an sich ist noch gar nicht so alt. Dennoch gibt es viel Wissenswertes über das Schlagzeug. Das erste komplette Schlagzeug kam 1918 in den Handel und begann dann einen unvergleichlichen Siegeszug. Auch die Asiaten wurden darauf aufmerksam und fingen an günstige Sets in den Markt zu schmeißen. Dabei drehte sich das Markengefüge sehr stark und die ehemaligen „Günstig-Anbieter“ wurden zu starken Marken die sehr begehrt sind. Doch beginnen wir einmal von vorn.

Vorgeplänkel zur Schlagzeug Geschichte – Der Urtrieb zum Trommeln

Die Schlagzeug Geschichte ist generell so alt wie die Menschheit selbst. Man braucht nicht viel Phantasie um zu erkennen das wohl die ersten Steinzeit Menschen schon früh auf die Idee gekommen sind mit irgendwelchen Stöcken oder Knochen auf hohle Gegenstände zu klopfen. Damals hat aber noch niemand so richtig den musikalischen Sinn dahinter gesehen. Die Geräusche wurden höchstwahrscheinlich eher als Jagdhilfen oder zur Signalgebung verwendet. Aber da liegen halt die Ursprünge. Der erste Mensch war nach bisherigen Erkenntnissen „Ardi„, der in der Afar Wüste Äthopiens entdeckt wurde. Also gehen wir davon aus das Ardi der Erfinder des Trommelns war und somit auch der erste Schlagzeuger. Das gilt erstmal so lange, bis jemand ein älteres Skelett findet. Thema abgehakt, nächste Frage.

Toms und Bassdrum – Geschichtliches

Ganz so einfach ist es dann nun doch nicht. Denn Trommeln ist nicht gleich Schlagzeug. Ein Trommler ist aber auch ein Schlagzeuger, oder halt ein Mensch der vorgibt einer zu sein, der trommelt aber anders. Außerdem wird ein Baumstamm im musiktheoretischem Sinne nicht als Trommel gewertet. Daher schauen wir mal wann denn die ersten Trommeln entstanden die explizit zur Erzeugung von Tönen von Menschen gebaut wurden.

Laut bisherigen Erkenntnissen liegt die Wiege der Trommeln in China. Im 3. Jahrtausend v. Christi wurden in Taosi nämlich schon Trommelkessel mit Krokodilhäuten gespannt. Etwas früher werden Fundstücke in Oldendorf bei Amelinghausen datiert. Bei den sogenannten Tontrommeln ist aber nicht ganz sicher ob es sich um Instrumente oder Trichter für Opfergaben handelte. Die Einschätzung der Mehrheit ist aber die Theorie des Musikinstrumentes. So gerne ich mich auf diese Theorie stützen würde, denn Amelinghausen liegt hier direkt um die Ecke, so fern ist es mir aber auch unbelegten Behauptungen und Theorien zu folgen. Generell könnten die Dinger auch eine tragbare Toilette sein.

Fakt ist also das der Mensch nachweislich schon seit ca. 5000 Jahren Trommeln baut. Wie und warum, lässt sich nur mutmaßen, aber damit begann halt die Geschichte des Schlagzeugs. Interessant ist die Tatsache, das die Trommel zwar in China zum ersten Mal auftaucht. Das Schlagzeug als Drum Set an sich aber eher in Westeuropa und Amerika entstand. Soll heißen, zuerst kopierte der Westen den Osten und später der Osten den Westen. Dazu gesellen sich dann auch noch die Ägypter. Die haben 2000 v. Chr. ihre Trommeln den Toten mit ins Grab gelegt, was natürlich dafür spricht, dass sie auch darauf gespielt haben müssen.

Schlagzeug Geschichte – Die Snare

Damit wäre die Sachlage um Toms und Bassdrums geklärt. Schauen wir doch mal woher denn die Idee stammt einen Spiralteppich an der Trommel zu befestigen. Hier sind die ersten belegten Modelle als Tabor bezeichnet, die im Mittelalter einhändig im Zusammenspiel mit einer Einhandflöte gespielt wurden. Auf alten Zeichnungen aus dem 13. Jahrhundert sind eindeutige Trommeln zu erkennen die mit einer oder mehreren Saiten bespannt waren. Der raschelnde, durchdringende und sehr prägnante Sound wurde schnell für das Militär genutzt und somit immer weiter entwickelt bis hin zu dem technisch sehr ausgereiften Modell das wir als Snare kennen.

Soviel zu den einzelnen Komponenten des Schlagzeugs. Aber wie kam das ganze nun zusammen? Der Schlüssel zu dieser Frage ist zum einen eine Frage des Budgets der Orchester, und zum anderen die Erfindung des Fußpedals für die Bassdrum.

Wie gings denn los mit dem Schlagzeug?

Wir sprechen hier jetzt nicht vom verallgemeinernden Begriff der alle Schlaginstrumente zusammenfasst. Wir benutzen das Wort Schlagzeug als das Deutsche Pendant zum englischen Drum-Set. Also Bass Drum mit Fußmaschine, Snare auf Ständer, Toms und Becken in erreichbarer Nähe. Der Oberbegriff ist für uns dann doch eher das Schlagwerk. Weiter unten findet Ihr noch etwas mehr zur Begriffserklärung, wenn’s Euch denn interessiert.

Das Fußpedal für die Bass Drum

Begonnen hat alles mit dem Fuß Pedal, hier gibt es nun absolute Weisheiten das z.B. „J.R. Olney“ das Pedal erfunden hat, und zwar im Jahr 1887. Fakt ist aber das die Schlagzeuger im 18. Jahrhundert aber schon viel früher mit Mechaniken experimentiert haben. Wer da nun genau der erste war ist nicht mehr wirklich nach zu vollziehen.

Generell ist es auch den Sparmaßnahmen in den Musical Theatern zu verdanken das diese Entwicklung vorangetrieben wurde, für das Schlagzeug waren damals halt immer 3 Musiker eingeplant, durch Budget Kürzungen mussten die Orchester etwas einfallen lassen um Musiker einzusparen, und so experimentierten die Schlagzeuger vorerst mit Drumsets die ausschließlich mit den Händen und noch nicht mit den Füßen bedient wurden. Es wurde Spieltechniken entwickelt die es ermöglichten die Rolle von mehreren Perkussionisten in einer Person unterzubringen.

Der sagenumwobene „J.R. Olney

Bei Wikipedia steht das ein gewisser „J.R. Olney“ der Erfinder der Fussmaschine gewesen sei und zwar im Jahre 1887. Der gute Man hieß aber George R. Olney und hat eine Konstruktion zum Overhang Pedal zum Patent angemeldet. In dem Artikel, „Who invented the drums (zu deutsch: Wer hat das Schlagzeug erfunden?), ist eine Kopie des Patentantrags vom 1. Februar 1887 zu sehen.

Als Erfinder des Fußpedals ist George R. Olney eingetragen, unterschrieben hat sein Anwalt. Die Konstruktion war sehr abenteuerlich und ich schätze mal auch sehr unzuverlässig. Durchgesetzt hat sie sich nicht, wurde aber durchaus praktisch eingesetzt. Schlagzeuglehrer Corey Colmey hat auf seiner Seite ein schönes Foto eines Overhang Pedals aus dem 18. Jahrhundert.

Soweit so gut, damit konnte man aber nicht sonderlich gut arbeiten, es war ein Schritt in die richtige Richtung, mehr nicht. Dennoch waren die Schlagzeuger sehr angetan von der Idee die Bass Drum mit dem Fuß zu spielen und dabei die Hände frei für andere Dinge zu haben. Die Bass Drum wurde zur Kick Drum.

Das erste kommerziell erfolgreiche Bass Drum Pedal wurde dann im Jahre 1914 von William F. Ludwig zum Patent angemeldet. Wenige Jahre später, so um 1918, wurden dann die ersten kompletten Schlagzeuge von der Ludwig & Ludwig Drum Company in den Handel gebracht.

Das erste Set

Warum nun so ein Brimborium um die erste Fußmaschine, es geht doch um die Erfindung des Schlagzeugs. Naja ohne Fußmaschine würden wir heute noch mit der Hand auf die Bass Drum hauen und ein gescheites Schlagzeugspiel wäre sicher nicht möglich. Daher ist es für die Schlagzeug Geschichte der wichtigste Kernpunkt. Wieder einmal war es die Firma Ludwig die nachweislich das erste Drum Set in den Handel gebracht hat. Das war im Jahr 1918. Es ist aber sehr wahrscheinlich das schon davor Drum Sets existierten, die Frage lässt sich also nur schwer beantworten. Wir recherchieren hier noch und geben die Ergebnisse dann auch hier bekannt. Sonor hatte definitiv 1927 erste sogenannte Jazz Schlagzeuge im Katalog gelistet.

Eine Hi-Hat Maschine gab es da noch nicht und das Bass Drum Pedal bediente gleichzeitig ein kleines Becken. Die Sets hatten damals die Bezeichnung „Jazzschlagzeug Saale I bis III. Es gab vereinfachte Ausführungen mit dem Namen Picadilly und Shimmy. Insgesamt hatte man schon 1927 eine große Auswahl an Schlagzeugen im Programm, sogar ein Kofferschlagzeug war im Programm.

Die Hi Hat Maschine

Low Hat Machine von DW (weitere Bilder bei Amazon - Affiliate Link)
Moderne Low Hat Maschine

Die Entwicklung der Hi Hat Maschine so wie wir sie heute kennen kann mehreren Personen zugeschrieben werden, ist aber für die Schlagzeug Geschichte nicht von so großer Bedeutung wie das Bass Drum Pedal. Vic Berton soll zum Beispiel als erster mit einem erhöhten „Low Boy“ experimentiert haben, aber die Anmeldung zum Patent vergessen haben.

William „O’Neil“ Spencer soll ebenfalls an solch einem System gearbeitet haben. Wahrscheinlicher ist hier die Variante des Modern Drummer Magazine. Sie schreiben die Entwicklung der modernen Hi Hat dem Entwickler Barney Walberg und somit der Firma Walberg and Auge Drum Company zu.

Gesichert ist nur das die Firma Ludwig die Hi Hat erstmals im Jahr 1928 im Katalog hatte. Da es Belege der Walberg and Auge Company gibt die bereits 1926 eine Hi Hat erwähnen, liegt die Vermutung nahe das die Hi Hat in dem Katalog von Ludwig eben von diesem Hardware Zulieferer stammt. Walberg and Auge bauten für zahlreiche renomierte Marken wie Gretch, Slingerland und Leedy, viele Hardware Komponenten.

Wer auch immer es war, es spielt generell keine Rolle, denn generell gab es die Hi Hat schon früher, allerdings nur in der „Low“ Variante. Die Modelle hatten teilweise abenteuerliche Konstruktionen und hießen Low Socks, Low Boy oder Low Hat. Auch Sonor hatte mit dem Perfekta Schlagapparat ein sogenanntes Low Socks Modell im Programm, in Kombination mit einem Bassdrum Pedal. Aus all diesen Varianten entwickelte sich dann die höhere Hi Hat Variante, die dann auch mit dem Stick gespielt werden konnte.

Von den Low Socks bis zu den heutigen Lever Glide und Eliminator Modellen war es ein langer Weg. Die Hi Hat bildet einen zentralen Punkt in der Entwicklung des Schlagzeugs. Remote Hi Hats mit Kabelführung, X-Hats und nicht zuletzt die bisher erfolglosen Versuche das Instrument mit einem elektronischen Mechanismus zu digitalisieren, lassen vermuten das die Entwicklung hier noch lange nicht abgeschlossen ist.

Über den ersten Meister der Hi-Hat sind sich alle Quellen einig. Papa Jo Jones hat die Hi-Hat dahin gebracht wo sie jetzt steht, er holte alle Klangfarben aus diesem Instrument heraus und wies den anderen den Weg. Er verschob das „Time keeping“ von der Bassdrum auf die Hi Hat und hatte großen Anteil daran der Hi Hat Ihren dominanten Platz im heutigen Schlagzeugspiel zu sichern.

Erste Zulieferer aus Fernost

Die traditionellen Marken fingen in den 50er, Jahren an Teile ihrer Schlagzeuge in Fernost produzieren zu lassen um im Markt bestehen zu können. Die Firma Pearl belieferte um die 30 Hersteller mit Hardware und Schlagzeugkesseln. In den 60er Jahren begann Pearl dann damit eigene Schlagzeuge herzustellen und übernahm große Marktanteile von den traditionellen Herstellern, das war ein Wendepunkt in der Schlagzeug Geschichte. Auch Yamaha begann 1966 mit der Vermarktung von Schlagzeugen in Europa. Tama stieß in den 70er Jahren, erst noch unter dem Namen Star, in den Markt. Und das sind dann auch schon die Umsatzstärksten Marken die auch heute noch Bestand haben.

Immer wieder gab es kleine Manufakturen die geringe Stückzahlen exklusiver Drumsets herstellten. Einige davon wurden zu Global Playern (DW) andere verschwanden und manche sind auch noch immer aktiv. Auch aus dem asiatischen Raum drängt immer mal wieder ein Hersteller in den Markt. Mapex z.B. wurde 1989 gegründet und zählt zu den renomierten Marken bei Einsteiger- und Mittelklasse-Sets.

Herstellungsweisen von Schlagzeugen

Die meisten Schlagzeuge werden auch heutzutage immer noch aus Holz hergestellt. Auch mit anderen Materialien wie Metal und Acryl wird gerne experimentiert, aber die Holzkessel sind immer noch State of the Art. Dabei unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Verfahren. Zum einen die sehr aufwändige und teure Verwendung von Vollholz, und zum anderen die für die meisten Schlagzeuge verwendete Herstellung im Plywood (Schichtholz) Verfahren. Dies vor allem um die steigende Nachfrage zu decken und auch dem Preisdruck zu entsprechen.

Beim Plywood Verfahren werden dünne Holzplatten diagonal übereinander geschichtet und unter Druck in Formen verleimt. Die resultierende Rundung und der Klang der so gefertigten Kessel hat eine hervorragende Qualität und bietet den Sound der heutzutage überall auf der Welt sehr geschätzt wird.

Einige Legendäre Schlagzeug Hersteller der Schlagzeug Geschichte

In der Schlagzeug Geschichte gibt es natürlich auch legendäre Sets welche die Hersteller legendär machten. Das berühmte Set von Ringo Starr in Black Oyster Pearl von der Firma Ludwig zum Beispiel. Die Force 3000 Serie von Sonor. Pearls Export Set als das meistverkaufte Drum Set überhaupt. Nicht zu vergessen das Gretsch Broadkaster Set, das dafür sorgte das die Fender Broadcaster Gitarre zur Telecaster wurde. Mittlerweile ist von dem Glanz der alten Zeiten aber nur noch wenig übrig. Die meisten Marken vereinen sich unter dem Dach, weniger Hersteller und jede Marke bedient eine bestimmte Zielgruppe ohne den anderen hauseignenen Marken in die Quere zu kommen. Ein Übersicht und weitere Infos zu den Schlagzeugmarken findest Du im Extraartikel Schlagzeug Marken und Hersteller.

Unterschied Schlagzeug und Schlagwerk

Generell sind es zwei Begriffe die das gleiche beschreiben, wir haben im Deutschen aber keinen eigenen Begriff für das Drumset. Manchmal hört man auch Schlagzeug Set, aber das ist doch schon sehr umständlich. Hier auf Drumtreff und auch sonst bezeichne mit Schlagwerk alles was mit Schlaginstrumenten zu tun hat, also auch Xylophon, Kesselpauken, Rasseln, Shaker usw.

Das Schlagzeug ist hier dann das eigentliche Drumset. Generell sollte das heutzutage klar sein da sich der Begriff Schlagzeug für das Drumset schon stark manifestiert hat. Aber in vielen Noten wurde früher Schlagzeug als Oberbegriff verwandt, und auch heute noch kann der Begriff Schlagzeug auch eine Kombination aus großer und kleiner Trommel sowie ein paar Handbecken meinen. Ein kleines Detail nur aber nicht immer so unwichtig wie man denkt.

Materialien

Mittlerweile sind alle erdenklichen Hölzer im Einsatz. Neben Holz wird auch mit Acryl und PVC oder Carbon experimentiert. Schlagzeuger sind aber eher eine traditionelle Spezies. Daher wird der Großteil der Kessel aus Holz hergestellt. Hierbei hat sich die Verwendung von Schichtholz gegenüber dem Vollholz durchgesetzt. Nicht aus klanglichen oder ästhetischen Gründen, sondern vielmehr aus Kostengründen und aufgrund der einfacheren Verarbeitung.

Dabei behalten die Hölzer aber dennoch ihre grundsätzlichen Klangfarben, und die Wahl des Holzes hat einen großen Einfluss auf den späteren Endklang. Die Klangeigenschaften kann man gut dem Diagramm auf der rechten Seite entnehmen. Dann sieht man auch warum Ahorn (also Maple) so ein beliebtes Material ist. Eine Zeitlang galt auch Birke als sehr schick, dies war aber nur ein kurzer Trend. Die meisten Kessel werden aus Ahorn gefertigt.

Mir persönlich liegt der Birkenkessel etwas mehr, ich finde die Klanggestaltung lässt sich flexiber handhaben. Generell ist aber bei vielen Schlagzeugen auf dieser Welt das Material des Taschentuchs das auf das Fell geklebt wird wesentlich entscheidender. Ein Großteil der Toms, Bassdrums und Snares auf dieser Welt sind ja so totgeklebt und niedergedämpft, das vom verwendeten Material nur noch der Name übrig bleibt.

Nun mal weiter mit dem Holz, ich gehe davon aus das Ihr Eure Toms nicht zu Tode erstickt. Ahorn hat ein recht hohen Bassanteil, während Birke auch in der Höhe noch einen starken Punch hat. Dadurch sind die Birkenkessel sehr Durchsetzungsfähig im Bandgefüge. Das ist natürlich nicht immer so gewollt, aber dem lässt sich durch dünnere Kessel sehr gut entgegenwirken.

Buche ist mir bisher noch nicht so häufig untergekommen. Es ist ähnlich robust wie die Birke aber im Klang eher dem Ahorn ähnelnd.

Die Eiche ist der robuste Ahorn Ersatz. Konnte sich aber bisher noch nicht wirklich in der Drummerszene durchsetzen.

Mahagoni war mal das Standardmaterial im Schlagzeugbau und gilt für mich auch heute noch als die klanglich bessere Wahl gegenüber dem Ahornkessel. Leider ist das Holz mittlerweile sehr teuer geworden und findet deshalb nur noch selten den Einsatz in einem Schlagzeugset.

Pappel wird hauptsächlich bei günstigen Schlagzeugen verwendet, zwar ähnelt der Klang sehr stark dem vom Ahorn, aber das doch recht weiche Holz überzeugt mich nur in seltenen Fällen. Es klingt halt immer irgendwie so wie es heißt. Pappig.

Lindenholz ist ein absoluter Geheimtipp, das Klangverhalten ähnelt sehr stark dem von Mahagoni. Da es ein schnell wachsendes Holz ist, bekommt man es relativ günstig. Das ist dann auch der Punkt warum es nicht so super beliebt ist. Was nix kostet ist auch nix. Aber das sogenannte Basswood wäre für mich die erste Wahl, wenn ich nicht auf die Höhenprojektion der Birke so stehen würde.

Klangverhalten einzelner Hölzer

Klangerzeugung

Ein Schlagzeug besteht in der Regel aus 2 verschiedenen Instrumenten. Zum einen die Membranophone und zum anderen die Idiophone. Diese beiden Typen sind dann noch in verschiedenen Größen vorhanden und erzeugen so den Klang am Schlagzeug. Sind ja jetzt erstmal zwei eigenwillige Wörter, bringen wir mal etwas Licht in die Sache und fangen mit dem wichtigsten an.

Membranophone

Als Membranophone bezeichnet man Musikinstrumente, die über eine gespannte Membran verfügen. Diese Membran sind unsere Felle, diese werden durch unsere Sticks in Schwingungen versetzt und damit zum klingen gebracht. Membranophone werde auch gerne als Fellklinger bezeichnet. Entscheidend dabei ist also die Membran (das Fell) einer Trommel. Der Korpus selbst resoniert nur, und hat keine aktive Funktion, dennoch Auswirkung auf den Klang. Das Resonanzfell verstärkt den Grundton der offenen Trommel, dadurch erscheint der Klang tiefer und voluminöser.

Idiophone

Idiophone bezeichnet man auch gerne als Selbstklinger, dazu gehören generell alle Schlaginstrumente bei denen das Material selbst den Klang erzeugt. Generell gesehen kann das alles sein. Ein Lampenschirm aus Metall z.B. oder ein Stück Holz (z.B. Woodblocks, oder Claves). Am Schlagzeug sind aber die Becken die prominentesten Vertreter dieser Instrumentenfamilie. Die genaue Bezeichnung ist Aufschlagidiophon, da das Becken mit einem nicht klingenden Gegenstand angeschlagen wird. Hierzu gehören auch die Triangel, Glocken, Kuhglocken, Woodblocks und auch Stabspiele wie Xylophon oder Marimba.

Schlagzeug Pflege

Ein Schlagzeug ist generell nicht besonders Pflegeaufwändig. Besonders folierte Kessel brauchen generell nur ab und an mal abgestaubt werden. Dementsprechend klein und überschaubar ist das Angebot an Pflegeprodukten für das Schlagzeug. Vollholzkessel sollten je nach Oberflächenbehandlung aber schon das ein oder andere mal geölt werden, hier sollte man sich am besten an die Herstellervorgaben halten da unterschiedliche Hölzer mit unterschiedlichen Ölen ganz verschieden reagieren. Die Firma MusicNomad hat zum einen einen Drum Detailer für das Set als auch einen Cymbal Cleaner im Angebot die sehr zu empfehlen sind. Generell reicht es sich dem Schlagzeug, bei normaler Nutzung, einmal im Jahr zu widmen und die einzelnen Teile mal auf Funktion und Schmutzablagerungen zu prüfen. Meines Erachtens ist die Hardware hier am anfälligsten und kann mit entsprechender Pflege länger halten und einen höheren Wiederverkaufswert erhalten.

Hardwarepflege

Die Hardware ist die am meisten beanspruchte Komponente am Schlagzeug. Die Schrauben werden ständig auf und zu gedreht, manchmal sogar ohne das lösen der Schrauben in die richtige Richtung gedreht. Das macht sich natürlich an der Hardware auch bemerkbar. In dringenden Fällen sollte man wirklich sofort reagieren und schwergängige Schrauben und Stangen unbedingt mit etwas Waffenöl oder M4 von LR System bearbeiten. Damit kann man schwergängige oder festsitzende Teile schnell wieder gängig machen und beugt auch der Rostbildung vor.

Pflege der Drum Hardware

Die Drum Hardware ist den stärksten Beanspruchungen ausgesetzt. Während Toms, Becken und vor allem die Snare oftmals liebevoll in Ihre Koffer gebettet werden, so wird die Hardware doch meist robuster und weniger liebevoll behandelt. Dabei ist gut gepflegte und qualitativ hochwertige Hardware auch gebraucht immer noch sehr teuer.

Bei der alljährlichen Pflege sollte man tunlichst die Hardware komplett auseinandernehmen. Die Stangen komplett mit einem geeigneten Öl einsprühen, kurz einwirken lassen und dann gut wieder abwischen. Bitte kein Wasser benutzen. Bei starken Verschmutzungen kann man mit warmen Wasser und etwas Spüli erstmal eine Grundreinigung vornehmen. Danach sollten die entsprechenden Teile aber gründlich getrocknet und dann mit Öl eingesprüht werden. Besonders die Gewinde der Schrauben setzen sich gerne mit allerhand Dreck zu (Schweiß, Bier, Staub, Nikotin. Eine unschöne Mischung) die Folge ist natürlich eine sehr schwergängige Funktion. Hier kann man auch erstmal mit warmen Wasser und etwas Spüli eine Grundreinigung vornehmen. Leichte Verschmutzungen lassen sich wunderbar mit dem Drum Detailer von MusicNomad entfernen. Es hat noch den Vorteil das es nicht stinkt sondern eher einen angenehmen Bubblegum Geruch versprüht.

Alle beweglichen Teile sowie Ketten und Gleitverbindungen sollten gut geölt werden. Bei Ketten unbedingt das überschüssige Öl entfernen. Eine Kette muss nicht von außen geölt werden, vielmehr muss das Öl in die Zwischenräume der Kettenglieder eindringen. Das macht es von ganz alleine, braucht aber etwas Zeit dafür. Also M4 draufsprühen und erstmal stehen lassen. Nach einer Einwirkzeit von ca. 10 Minuten mit einem weichen fusselfreien Tuch die Kette wieder trocken wischen. Je trockener die Kette von aussen ist, desto besser. Öl bindet Staub und Schmutz und sorg somit für ein klebriges Gemisch das die Fuß- und Hi-Hat Maschinen schwergängig werden lässt. Unangenehme Nebengeräusche sind dabei nicht ausgeschlossen. Auch die Gewinde der Schraubverbindungen sollten einen kleinen Tropfen Öl abbekommen.

Wenn man schon bei der Hardware bei ist, schaut auch mal die Beckenfilze nach, sind diese Platt gedrückt, ist es eine gute Idee diese gleich mit auszutauschen. Auch die Beckenaufnahmen (Cymbal Sleeve oder auch Cymbalprotection) müssen auf Verschleiß geprüft werden, sind diese durchgescheuert entstehen gerne am Becken die sogenannten Keyholes. Solche Becken sind dann nur noch zu Schnäppchenpreisen zu verkaufen. Die verschiedenen Hersteller bieten hier Ihre Produkte als Ersatzteile an. Gleiches gilt für die Gummifüße an den Ständern.

Beckenpflege

Hier gibt’s mehrere Meinungen, die einen sagen: „Bloß nicht putzen“. Andere wiederum schwören auf ein glänzendes Finish. Ich gehöre zu der Fraktion, solange es gut klingt bleibt es so, es sei den es wird ekelig. Häufiges putzen birgt das Risiko von Materialabtrag, das wiederum kann dazu führen das die Becken ihren Klangcharakter stark verändern. Genauso verhält es sich natürlich mit dem umgekehrten Fall. Auf dem Becken lagern sich während eines Gigs auch allerhand Sachen ab die durch unsere Schläge mit dem Stick auf das Becken aufgetragen werden. Zusätzlich greift der natürliche Alterungsprozess die Becken an und sorgt somit für das was die meisten als „Patina“ bezeichnen. Diese Patina kann ein Becken erst richtig gut machen. Wenn man ein Becken, das einem vom Klang sehr gut gefällt, nun putzt kann es natürlich passieren dass das Ergebnis so überhaupt nicht zu gefallen weiß.

Wie gesagt, wenn es gut klingt lassen wir es einfach so und stauben das Becken am besten vor der Verwendung einmal kurz ab. Am besten bewahren wir es auch in einem guten Beckenkoffer auf und haben hochwertige Beckschutzeinlagen dazwischen. Sollte es wirklich nötig sein das Becken zu putzen so ist der Cymbalcleaner von MusicNomads eine gute Wahl. Bei wirklich leichten Verschmutzungen oder nur leichter Reinigung ohne das Becken wieder auf Hochglanz zu bringen, kann auch der Drum Detailer wunderbar verwendet werden. Wenn das Becken auf Hochglanz poliert werden soll so ist das Meinl Cymbal Care Kit die beste Wahl, es enthält zum einen den Meinl Cymbal Cleaner, den Cymbal Protectant und ein paar Handschuhe. Das ist eine Prozedur die ich aber nur ungerne empfehle.

Toms, Bassdrum und Snare

Die einfachste Möglichkeit ist tatsächlich der Drum Detailer von MusicNomads. Das Zeug stinkt nicht, reinigt, pflegt und schützt eure Drumkessel. Ich öle meine Kessel nicht obwohl ich unfolierte Kessel habe. Auch von Innen wende ich keine Pflegemittel an. Sollte es dennoch gewünscht sein so ist Danish Oil die beste Möglichkeit, das ist ganz normales Hartöl das auch für die Möbelpflege verwendet wird, und kann beim unfreundlichen Versender bequem bestellt werden. Meine Schüler bekommen von mir aber immer eine Dose Drum Detailer geschenkt sobald Ihre Eltern sich dazu entschließen ein eigenes Schlagzeug anzuschaffen. Dies kann für alle Kesselarten (bis auf Vollholz da fehlen mir die Erfahrungen) verwendet werden, und auch die Hardware und Becken Pflege kann damit super ausgeführt werden.

Empfehlenswerte Pflegemittel für das Schlagzeug

NameVerwendungPreis ca.Bezugsquelle
MusicNomads Drum DetailerGesamtes Set inkl. Hardware und Becken9,90 € (Thomann)Thomann | Amazon
MusicNomads CymbalcleanerBeckenreinigung13,20 € (Thomann)Thomann
Meinl Cymbal Care Kit incl. CleanerBeckenreinigung und -schutz26,50 € (Thomann und Amazon)Thomann | Amazon
LR System M4 Function Oil for DrumsetsDrumhardware15 € (Thomann)Thomann

Verschiedene Standardkonfigurationen

Wenn man in den 70er oder 80er Jahren ein Fusion Drumkit haben wollte, so bekam man in der Regel eine 22″ Bassdrum, 12,13,16 Zoll Toms und eine 14″ Snare. Diese 5teiligen Sets sind auch heute noch sehr beliebt und werden oft auch noch unter der Bezeichnung „Fusion“ angeboten. Allerdings sind die Kesselgrößen mittlerweile sehr Variabel und jeder Hersteller bietet hier verschiedene Konfigurationen an. In der Regel werden heutzutage kleinere und vor allem gerade Kesselgrößen bevorzugt. Die häufigen Konfigurationen sind daher eher mit 10″, 12″ und 14″ oder 12″ 14″ und 16″ Toms ausgestattet. Bei den Bassdrums wird man auch viel häufiger 20″ Bassdrums antreffen als noch vor 25 Jahren. In der ganzen Schlagzeug Geschichte hat sich generell nichts wirklich dramatisches geändert, die Details wurden stetig weiterentwickelt und wir sind heute an einem Punkt wo man für unter 800 Euro schon wirklich sehr brauchbare Drumsets bekommt.

Ein sogenanntes Breakbeat Set besteht in der Regel aus einer Bassdrum, einer Snare und 2 Toms. Die Größen sind hier mittlerweile auch sehr Variabel. Diese Art von Set Konfiguration ist vor allem im „Alternative Rock“ Bereich sehr beliebt. Sie bietet einen guten Kompromiss aus Preis/Leistungsverhältnis bei geringem Platzverbrauch und weniger Aufwand bei Auf- und Abbau. Schlagzeuger die so ein Set spielen, stehen meist schon ein bisschen früher an der Theke als andere.

Die Egerländer-Konfiguration beinhaltet in der Regel nur Bassdrum und Snare sowie ein Ridebecken und eine Hi-Hat. Diese Art von minimalistischer Auslegung des Schlagzeugs ist auch für kleine Übungskabinen ideal. Im Zweifel kann hier das Ridebecken auch entfallen. Konzentration auf das wesentliche stärkt auch die Aufnahmefähigkeit beim Üben.

Ansonsten gibt es keine weiteren Standardkonfigurationen die von Relevanz wären. Wozu auch, es gibt soviele unterschiedliche Sets am Markt warum sollte man sich überhaupt auf irgendwelche Standards festlegen. Gerade die Individualität ist doch der springende Punkt. Das Gros an kompletten Drumsets ist meistens 5teilig (bzw. 4teilig ohne Snare) heißt also mit 3 Toms ausgestattet. Wenn dann mal mehr gewünscht wird, kann unter umständen auch noch eine zusätzliche Tom angeschafft werden. Unter Umständen deshalb, da die Serien vor allem in der Farbe öfters mal wechseln und dann bekommt man halt keine Pearl MBX 14″ Tom in Black Mist mehr nachbestellt. (heul)

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