Millenium MPS-850 E-Drum Set

Das Millenium MPS-850 ist das Flagschiff bei Thomanns E-Drum Hausmarke. Die umfangreiche Ausstattung mit 6 Drum Pads, Hi-Hat und 3! Beckenpads sind in dieser Preisklasse schon enorm. Für weniger als 600 Euro bekommt man hier eine Menge geboten, kein Wunder also dass sich das günstige E-Drum Set bei Thomanns E-Drum Verkaufsrangliste ganz oben auf dem Treppchen findet.

Ich würde sogar noch etwas weiter gehen und behaupten es ist das meistverkaufte E-Drum Set in Deutschland. Was dieser Titel wert ist und ob sich das E-Drum Set auch in der Praxis bewährt müssen wir erst noch herausfinden. Uns sind mittlerweile, durch zahlreiche Schüler, mehrere Exemplare unter die Sticks gekommen. Meist haben wir hierbei nur kleine Veränderungen am Setup vornehmen müssen, damit der Schüler ordentlich üben kann.

Die Vor- und Nachteile von E Drums haben wir bereits anderweitig beschrieben. Wirklich gute E Drum Komplett Sets gibt es derzeit nur vom Branchenprimus Roland, der Patente auf Technologien hält, die das Spielen auf E Drums schon sehr authentisch werden lassen. Der Unterschied zu einem akustischen Set verschwimmt zunehmend und Roland definiert das E Drum mittlerweile als eigenständiges und ernst zu nehmendes Musikinstrument. Diese Authentik hat aber auch Ihren Preis und nicht jeder ist bereit mal eben 7000 Euro für ein E-Drum Set hinzulegen.

Das MPS-850 von Millenium spielt nicht in dieser Liga, es konkurriert gegen die Fame DD-One oder diverse X-Drum Derivate. Im Endeffekt kommen Sie alle vom gleichen Hersteller. Dieser heißt Medeli und wird unter diesem Namen z.B. bei Musik Produktiv verkauft. Die Hausmarken von Thomann und vom Music Store in Köln, haben aber ihre Besonderheiten die man nur hier findet. Die Unterschiede vom MPS-850 zum Fame DD-One haben wir auch schon erörtert. Ich selbst bevorzuge das DD-One aus einem einfachen und banalen Grund. Ich ändere sehr häufig die Lautstärke des Metronoms auch während ich spiele oder mit Schülern übe. Daher ist der eigene Regler hier für mich ein absolutes Plus gegenüber dem MPS-850.

Qualität und Ausstattung des Millenium MPS-850

Das Set basiert auf dem gleichen Racksystem wie andere MPS E-Drums. Zum einen natürlich der gleiche billige Kram der zum häufigen Auf- und Abbau nicht sonderlich gut geeignet sind. Dabei lag es bei den von uns gesichteten Modellen meist nur an den Clamps die einfach nicht wirklich gut halten, auch bei einem Besuch bei Thomann konnte man einen eindeutigen Abwärtsdrang der Toms beobachten. Es bedarf auch etwas Fingerspitzengefühl um den richtigen Drehmoment zu finden. Gerade bei den Clamps kommt nach Fest schon sehr schnell Ab. Dies wäre der erste Punkt der bei einer Neuauflage überarbeitet werden sollte. Das Set dürfte auch gerne etwas mehr kosten wenn ein besseres Rack dabei wäre. So ist der Preis halt gerechtfertigt, man bekommt ja noch ne Menge anderes Zeug.

Die Pads sind in 8″ (Bass Drumm, 2x Tom) und 10″ (Snare und 2x Tom) ausgeführt wobei die Snare und Tom Pads mit zwei Zonen ausgestattet sind. Es ist also möglich auch auf den Toms verschiedene Sounds zu zuweisen und Cross Stick oder Rimshots auf der Snare zu ermöglichen. Die Beckenpads sind alle in 12″ ausgeführt und das ist schon recht ordentlich und vor allem für die Hi-Hat eine gute Größe, das Ridebecken dürfte aber gerne etwas größer sein.

Die Drum Pads sind sehr gut und robust verarbeitet und senden die Midibefehle auch einwandfrei zum Soundmodul. Das Bass Drum Pedal erfüllt seinen Zweck, ist aber mit das erste was ausgetauscht gehört. In diesem Zuge kann man gleich eine gute und trotzdem günstige Doppelfußmaschine installieren. Das Pad und auch das Soundmodul verarbeiteten die Signale bei all unseren Schülern (insgesamt 5 bis jetzt) einwandfrei und es kam zu keinerlei Aussetzern

Also der Gesamteindruck ist wesentlich besser als noch beim Millenium MPS-150X – Budget E Drum mit Mesh Heads das Rack weist zwar die gleichen Schwächen auf, aber das Soundmodul an sich und die wirklich umfangreiche Ausstattung mit 4 Toms und drei Becken zusätzlich zur Hi-Hat bei einem Preis von unter 600 Euro, überzeugt uns doch schon sehr und lässt uns mit den Worten „Wie machen die das“ etwas ratlos da stehen.

Das Soundmodul – Klang und Bedienung

Das Soundmodul macht auf dem ersten Blick einen wirklich hochwertigen Eindruck. Die Fader und Drehregler fassen sich gut an und lassen auf ein höherpreisiges Modell schließen. Auch die Menüführung und die Bedienung insgesamt ist sehr leicht und kaum einer unserer Schüler brauchte Hilfe dabei die Kits zu wechseln oder das Metronom zuzuschalten. Lediglich beim zuspielen externer Musik war in einem Fall eine Hilfestellung nötig. Einmal hatte sich ein Schüler für eine Hausaufgabe in den Einstellungen etwas verrannt. Er wollte besonders coole Sounds erstellen um seine Aufgabe besonders gut zu machen. Niemand weiß warum und wie er es geschafft hat, aber das Soundmodul gab keinen Ton mehr von sich. Ein einfaches Wiederherstellen der Werkseinstellungen behob das Problem aber anstandslos und Schüler sowie Eltern atmeten erleichtert auf. (Bedienungsanleitung also gut aufheben.)

Mesh Heads – Ansprechverhalten und Spielgefühl

Die Mesh Heads des MPS-850 sind scheinbar die gleichen wie beim MPS-150X, und damit im Ruf eine nicht allzu lange Lebensdauer zu haben, das Material ist sehr dünn und insgesamt gesehen sind die Mesh Heads nicht besonders gut verarbeitet, aber bei einem Preis von unter 10 Euro für ein Fell ist das okay. Einfach durchspielen die Dinger und dann ein Remo oder Aquarian aufziehen und dann passt es, wer etwas mehr zur Verfügung hat der kann auch Roland Powerplys aufziehen und hat dann erstmal für Jahre seine Ruhe. Das Spielgefühl ist dennoch erstaunlich gut, Rebound und Ansprache sind mehr als brauchbar und es macht richtig Laune darauf zu spielen.

Wirklich leise sind aber auch die Mesh Heads nicht, es nervt schon mit der Zeit wenn man im Nebenraum sitzt und sich konzentrieren muss. Das ist aber das Los das der Schlagzeuger gezogen hat, er gehört halt zu der penetrant nervenden Spezies der Musiker, diese Individuen haben nun mal die Angewohnheit Lärm zu verursachen. Lärm der später mal zu Musik wird, aber Üben ist meist nicht wirklich schön.

Millenium MPS-150X in Bildern

Technische Daten MPS-850

Das große Plus vom MPS-850, die Ausstattung. Für diesen Preis bekommt man nirgends mehr und es fehlen im Basis Set nur der Hocker, Sticks und Kopfhörer. Das Bundle Set ist hier nur bedingt eine Hilfe, die Millenium Sticks sind mit großer Wahrscheinlichkeit schon vor dem ersten anfassen krum der Kopfhörer ist brauchbar aber beim Hocker sollte man schon etwas mehr Geld ausgeben. Der muss je nach Körperbau halt einiges aushalten und wird im Laufe einer Übe-Session auch schon mal etwas stärker beansprucht.

  • E-Drum Set ohne Hocker, Kopfhörer und Sticks (müssen separat erworben werden)
  • kompakte Maße, aber sehr gut für Erwachsene geeignet
  • Grundfläche von 140 x 80cm
  • 30 vordefinierte Drumkits
  • 20 User Kits
  • 550 Sounds
  • 100 Songs
  • 2 User Songs
  • Eingebautes Metronom
  • Jedes Kit hat eigene EQ Einstellungen
  • eingebauter Hall, Pitch und Kompressor!
  • Aux In (3,5mm Stereo Klinke)
  • Line Out (2x 6,3mm Mono Klinke)
  • Kopfhörerausgang (6,3mm Stereoklinke)
  • USB Midi
  • USB Memory
  • WAV Sample Import
  • Midi In & Out
  • 1x 10″ Snare Pad (2 Zonen) mit Mesh Head
  • 2x 8″ Tom Pads (2 Zonen) mit Mesh Heads
  • 2x 10″ Tom Pads (2 Zonen) mit Mesh Heads
  • 1x 10″ Bass Drum Pad mit Mesh Head
  • 3x 12″ Beckenpads (2x 2 Zonen Crash und 1x 3 Zonen Ride)
  • 1x Bass Drum Fusspedal
  • 1x Hi-Hat Maschine mit 12″ Beckenpad
  • Komplettes Drumrack

MPS-850 USB Midi

Das MPS-850 ist mit einer USB Midi Schnittstelle ausgestattet, das erlaubt zum einen das Drumset an ein Laptop anzuschließen und mit einer DAW zu verbinden. So besteht die Möglichkeit höherwertigere Sounds über ein VST Drumkit anzusteuern. Die Latenz beträgt ungefähr 9ms, in unseren Tests mal mehr mal weniger. Woher die Schwankungen kommen konnten wir bisher nicht rausfinden. Die Latenz ist erträglich aber auf Dauer nervt es irgendwann, man spürt es halt doch irgendwie. Wer mit besseren als den Werkssounds drummen möchte sollte die Sample Import Funktion nutzen. Leider stehen hier nur 15MB Speicher zur Verfügung. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Es ist auch möglich das Soundmodul per Midi anzusteuern und so die Sounds für seine Produktionen zu benutzen. Dafür sind die Sounds dann aber doch zu mittelmäßig. Jedes halbwegs vernünftige VST Plugin kann hier wesentlich mehr bieten und klingt authentischer und besser. Die Möglichkeit ist aber da und das kann in manchen Situationen dann doch hilfreich sein. Haben ist besser als brauchen heißt es ja so schön.

Die Einbindung in Cubase gestaltet sich Problemlos und funktioniert im großen und ganzen auch gut, aber auch hier muss man einige Abstriche machen, z.B. beim Hi-Hat Controller der sich ohne Zusatzsoftware als unbrauchbar für Midie Aufnahmen erwiesen hat.

Downloads

Millenium MPS-850 Manual / Bedienungsanleitung

Wie das mit Manuals / Bedienungsanleitungen nunmal so ist. Hat man sie, braucht man sie nicht, braucht man sie, ist sie nicht zu finden. Daher hier das Manual zum Download. Leider nur in Englisch. Ihr könnt Euer Glück auch bei Manualslib versuchen vielleicht gibts ja mittlerweile eine in Deutsch.

Firmware Update

Offiziell gibt es für das MPS-850 keine Updates oder neue Firmware. Service Updates sind ebenso nicht bekannt. Wir möchten auch davon abraten irgendwelche Firmware Updates aus dem Internet einzuspielen. Wenn Ihr bessere Sounds wollt, dann nutzt die Sample Import Funktion oder verbindet das Set mit einem PC und einem guten VST Plugin.

Fazit

Hier gibt es richtig viel für’s Geld. Die tolle Ausstattung und der günstige Preis machen das MPS-850 zu einem idealen Übungspartner für Anfänger und Fortgeschrittene. Klar muss man Abstriche in der Bedienbarkeit und in der Qualität der Sounds machen, aber alle unsere Schüler die dieses Modell gekauft haben sind durchweg zufrieden. Der Aufbau war von allen selbst, mit etwas Hilfe vom Papa, selbst zu bewerkstelligen und auch die Inbetriebnahme war überall Problemlos. Lediglich in der Feinabstimmung des Set Ups war etwas Hilfe von uns nötig um eine optimale Einstellung von Hi-Hat und Bassdrum Pedal sowie der richtigen Anordnung der Toms zu gewährleisten.

Ist das alles richtig konfiguriert steht dem Spielspaß nichts im Wege. Generell kann ich aus Erfahrung sagen das die Kids mit einem E-Schlagzeug häufiger und regelmäßiger üben und wesentlich mehr Interesse an dem Instrument entwickeln als jene mit einem akustischen Set. Ist ja auch logisch denn ein akustisches Set hört jeder und es ist schon eine Hemmschwelle wenn man übt, und jeder die Fehler hört die man macht. Eltern sind meist auch nicht so erbaut davon ständig in einer Schlagzeuggeräuschkullisse zu leben. E-Drums sind in der Ausbildung einfach förderlich und sinnvoll. Zumal einige auch viel mit Aufnahmen auf dem Laptop experimentieren und mir stolz die Ergebnisse präsentieren. Es macht Spaß den Kids dann hier die Möglichkeiten von DAWs nahezubringen und Ihre Kreativität dabei zu fördern.

Für das Geld ist das MPS-850 eine absolute Kaufempfehlung. Allerdings sollte man auch die Modelle der Marke Fame vom Music Store in Betracht ziehen. Größere Pads und weitere Details sind einen Mehrpreis von 100 Euro durchaus wert. Wir warten allerdings auch schon seit geraumer Zeit auf einen Facelift des MPS-850. Oder vielleicht ein MPS-950 mit Touchscreen und etwas besserem Rack. Please Thomann bring us the next Generation.

Apropos Rack. Die Racks der MPS Serie sind untereinander kompatibel. Man kann auch die Sets miteinander kombinieren und die Module über ein kleines Mischpult zusammenführen und so sein Set trotz aller belegten Kanäle noch erweitern. Wer das nötige Kleingeld hat kann auch das Pearl Mimic Pro statt des orginal MPS-850 Drum Moduls anschließen auch das Nona Pad von Millenium ist eine Möglichkeit das Set zu erweitern. Möglich ist alles. Generell würde ich aber erstmal Fußmaschine und Hi-Hat Ständer austauschen.

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